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Fortunato

Renate Adolph

Mit Leidenschaft ins so genannte „Reich des Bösen“

Mit Leidenschaft ins so genannte „Reich des Bösen“

Immer wieder zieht es Bodo Quart nach Nordkorea. Der vitale 80-Jährige führt seit 2014 einmal im Jahr für das Hamburger Reisebüro China-Hansa-Travel deutsche Touristen durch das ferne, unbekannte Land. Begeistert berichtet der versierte Reiseleiter Mitte Januar in Strausberg einem höchst interessierten Publikum auf Einladung des Vereins „alternativen denken“ über seine sehenswerten Touren. Die meisten Teilnehmer kämen aus der ehemaligen DDR. Sie wollten entgegen einseitiger Medienberichterstattung vor Ort sehen, wie das Land, das in der westlichen Welt oft „Reich des Bösen“ genannt werde, wirklich sei, erzählt er.  

Bereits 1976 hatte es den einstigen Berufsschullehrer das erste Mal als Mitarbeiter des ZK der SED zu einem Erfahrungsaustausch nach Nordkorea verschlagen. Nach dem verheerenden Koreakrieg mit vielen vor allem durch USA-Flächenbombardements zerstörten Städten hatte die DDR in den 50er-und 60er- Jahren beim Wiederaufbau geholfen und beispielsweise in Hamhung 5000 Wohnungen errichtet. Dort träfen heute seine rund zwanzigköpfigen Reisegruppen auf eine Millionen-Metropole mit modernen Gebäuden.

Überhaupt habe sich vieles positiv verändert, hebt Quart hervor. Es gebe inzwischen einen gewissen Wohlstand. Jeder habe ein Smartphone aus chinesischer Produktion, mit dem man allerdings nur ins nordkoreanische Intranet komme. An Hunger leide keiner mehr. Ja, man habe gehungert, Ende der 90er-Jahre, infolge von Naturkatastrophen, die die Reisfelder zerstörten und auch wegen organisatorischer Mängel, die unzähligen Menschen das Leben kosteten. Nordkorea erhalte noch immer große Unterstützung von China.

Begeistert von den fleißigen, bescheidenen Menschen

 „Für mich ist es wichtig, die menschliche Seite Nordkoreas zu zeigen. Wer einmal in dem Land war, weiß, dass es ganz anders ist, als in den westlichen Medien dargestellt. Ich bin angetan von den fleißigen, arbeitsamen und bescheidenen Menschen“, unterstreicht Bodo Quart. Voller Bewunderung verweist er auf neue, saubere, großzügige Dörfer, Städte, Hotels und Flughäfen, trotz einschneidender, erschwerender Sanktionen. Vor allem schwärmt er, untermalt von eindrucksvollen Bildern, von modernen Bildungseinrichten und besonders vom internationalen Kinderferienlager Songdowon. Hier am Meer verbrächten Kinder und Jugendliche in großzügigen Anlagen und Ausstattungen für Sport, Spiel, Computer und künstlerische Betätigungen unbeschwerte Tage, ähnlich wie im Ferienlager ARTEK in der einstigen Sowjetunion.

Auf Nachfrage bestätigt der Nordkorea-Kenner, nicht jedes Fotomotiv sei erwünscht, wenn es zum Beispiel Ochsenfuhrwerke oder Laster mit vorsintflutlichen Holzvergasern zeigt. Dass man sich durchs Land nur auf vorgegebenen Routen bewegen könne, sei der brisanten internationalen politischen Situation geschuldet. Nordkorea wolle auf lange Sicht die Wiedervereinigung mit Südkorea. Dazu strebe es einen ordentlichen Friedensvertrag an, eine längere Konföderationsphase mit Südkorea und schließlich die Denuklearisierung. Zum Thema Atomraketen meint Bodo Quart: Die seien nirgendwo eine gute Sache. Seit dem Waffenstillstandsabkommen von 1953 mit den USA habe sich Nordkorea an keinem Krieg beteiligt. Die Koreaner wurden Anfang des zurückliegenden Jahrhunderts lange von Japan besetzt und unterdrückt. Das 25-Millionen-Volk wolle nun in Ruhe und ohne Ängste seinen eigenen selbstbestimmten Weg gehen.

Renate Adolph

 

 

 

 

 

 


Gedanken über die Welt, in der unsere Nachkommen leben werden

Die Sammlung der Gedanken vom Juni 2018 kann hier heruntergeladen werden. Die Autoren freunen sich wie immer über Feedback und Kommentare


Standpunkte zur sicherheitspolitische Lage (Stand  2017)

Der Diskussionszirkel Friedenspolitik hat ein Standpunktepapier zur internationalen sicherheitspolitischen Lage erstellt, das hier heruntergeladen werden kann. Es wird zu gegebenen Anlässen aktualisiert. Die Autoren freuen sich über Feedback und Kommentare.